Sommerkonzert 2026
18€/5€ Schüler und Studenten, bis 6 Jahre frei

Zur Sinfonie:
Als Antonín Dvořák 1890 und 1891 seine 8. Sinfonie präsentierte, schlug ihm gleichermaßen Jubel wie Enttäuschung entgegen. Eine begeisterte Anhängerschaft begrüßte das neue Werk, das mit seiner melodischen Fülle die engen Grenzen streng gebauter Sinfonien überflügelt.
Als Dvořák in den 1870er Jahren Johannes Brahms begegnete, galt dieser als anerkannte Autorität auf sinfonischem Gebiet. Dvořák orientierte sich zunächst an Beethoven, Brahms und Wagner. Ab der 5. Sinfonie entwickelte er eine eigenständige Musiksprache, die zunehmend volksliedhafte Elemente seiner böhmischen Heimat integrierte. Das Jahr 1889 war fruchtbar für ihn: "Melodien fliegen mir nur so zu", schrieb er an seinen Freund Alois Göbl. Nach eigener Aussage plante Dvořák, "ein von meinen anderen Sinfonien verschiedenes Werk" zu schreiben, "mit individuellen, in neuer Weise ausgearbeiteten Gedanken". Die 8. Sinfonie ist berühmt für ihren entspannten Optimismus: Heiterkeit und ungebrochene Lebensfreude künden von einer glücklichen Komponiersituation im Herbst 1889. Schon bei den ersten Aufführungen der 8. Sinfonie in Prag und London bemerkte die Kritik, es sei schlicht unmöglich, "nicht zu fühlen, dass die Musik versucht, sehr verständlich von Geschehnissen außerhalb ihrer selbst zu sprechen". Diese Phase des "musikalischen Poetisierens" in Dvořáks Schaffen war neu und ging einher mit einer Lockerung traditioneller Muster. So schimmert in der Achten die Sonatenhauptsatzform nur noch hie und da hindurch, im Finale vernetzt sie sich gar mit der Variation, rhapsodisch Aneinandergereihtes verdrängt sinfonische Verarbeitung.
Der erste Satz beginnt mit einer kurzen moll-getrübten Introduktion. Der Eintritt des klaren Allegro-Hauptthemas in Dur wird dadurch wirkungsvoll vorbereitet: Wie eine Vogelstimme steigt in der Flöte ein gebrochener Dreiklang in die Höhe. Vorstellbar, dass hier die böhmische Landschaft imaginiert wird. Ein erzählerischer Grundton, schlichte Melodik und eine aufgelockerte Klanglichkeit bestimmen auch das träumerische Adagio, in dem Dvořák in Anlehnung an das kurz zuvor komponierte Klavierstück "Auf der alten Burg" scheinbar das imposante Gemäuer vor dem inneren Auge aufscheinen lässt. Vor dem Finale fügt Dvořák ein Scherzo in Form eines stilisierten Walzers ein, der zwischen schwingender Leichtfüßigkeit und verhaltener Schwermut pendelnd in ähnlicher Form auch aus der Feder Peter Tschaikowskys stammen könnte. Festliche Fanfarenklänge leiten den Schlusssatz ein, der das von den Celli vorgetragene und in böhmischer Volksmusik wurzelnde Thema pointenreich variiert. Dvořák lässt auch hier keine akademische Strenge walten, sondern gestaltet ein vor Temperament schier berstendes Finale mit einem inreißenden Schluss.
Zum Violinkonzert:
Mein Violinkonzert ist über einen längeren Zeitraum hinweg entstanden. Die ersten Ideen hatte ich schon vor einiger Zeit, doch ich habe sie zunächst nicht weiterverfolgt – vor allem, weil mir ein konkreter Anlass, ein Solist oder eine geplante Aufführung fehlten. Das änderte sich, als ich die Geigerin Julia Ungureanu kennenlernte. Ihre künstlerische Persönlichkeit hat mich sehr beeindruckt und inspiriert, die Arbeit an diesem Konzert wieder aufzunehmen und konsequent weiterzuführen. Formal handelt es sich um ein Konzert in drei Sätzen, die attacca ineinander übergehen. So entsteht ein großer zusammenhängender Satz, der in drei Abschnitte gegliedert ist. Der erste Satz ist geprägt von einem stark solistisch geführten Violinpart, der immer wieder vom Orchester unterbrochen wird. Es entsteht eine Art episodischer Dialog zwischen Solistin und Orchester, mit wechselnden Tempi und Taktarten – darunter auch ungerade, balkanisch geprägte Metren wie 7/8 und 9/8, die in meiner musikalischen Herkunft sehr gebräuchlich sind. Der zweite Satz bildet dazu einen deutlichen Kontrast: ruhig, geheimnisvoll und von einer langen, spannungsgeladenen Pedalfläche in den Streichern getragen. Die Solovioline bewegt sich hier eher lyrisch und suchend, mit friedlicheren, weit gespannten Linien. Der dritte Satz ist ein schnelles, virtuoses Finale. Der Solopart ist technisch anspruchsvoll, gleichzeitig fordert auch die Begleitung vom Orchester höchste Präzision, da das Tempo sehr hoch ist. Stilistisch bewegt sich das Werk zwischen Spätromantik und Expressionismus. Es ist mein erstes Konzert für Soloinstrument und Orchester – und ich hoffe, dass es sich gut in unser Programm einfügt und beim Publikum Anklang findet. (K.Gashi)
Unsere Solistin:
Julia Ungureanu wurde in eine Musikerfamilie geboren und studierte in Köln, Berlin, Wien, Karlsruhe und London. Nach vielen Jahren als Gast in verschiedenen Orchestern, wie dem BRSO, den Münchner Philharmonikern und dem Staatsorchester München, war sie Konzertmeisterin des Philharmonischen Staatsorchester Mainz. Es folgte ein Trial als Co-Leader des London Symphony Orchestra, mit welchem sie 2022 als Solistin im Barbican debütierte. Seither ist sie regelmäßiges Mitglied der Sinfonia of London und teilt die Freude an der Musik als Privatlehrerin, als Dozentin der Al-Farabi Musikakademie Berlin, der Musikschule Charlottenburg und verschiedenen Jugendorchestern, sowie international als Kammermusikerin, Orchestermusikerin, Solistin und Konzertmeisterin.
Informationen zum Ticketverkauf
Buchhandlung Nuss, Auerbach
Tourist Information Bensheim
Hauptstraße 53,
64625 Bensheim
Tel. 06251 8696101
www.bensheimerleben.de
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